Feuerwehr Büdingen

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Silvester-Tradition seit 1950

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TURMBLASEN Weil der Bergfried des Schlosses saniert wird, spielt der Musikzug der Feuerwehr morgen auf dem Jerusalemer Tor

Bericht des Kreis-Anzeiger vom 30.12.2016 (Text und Bilder von Monika Eichenauer)

Seit 1950 ist es Tradition: Alle Jahre wieder steigen die Frauen und Männer des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Büdingen am Silvesternachmittag die 126 Stufen des Schlossturmes hinauf, um von dort mit weihnachtlichen Weisen das alte Jahr zu verabschieden und das neue willkommen zu heißen. Mit „Alle Jahre wieder“ beginnt seither das besondere Konzert an besonderer Stätte. Für viele Büdinger gehört das Turmblasen zu Silvester wie die Böller um Mitternacht. In diesem Jahr ist alles anders: Aufgrund der Sanierung des Bergfrieds spielen die Feuerwehrmusiker am Samstag auf dem Jerusalemer Tor.

 

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf dem Jerusalemer Tor spielen. Vor vielen Jahren hat der Musikzug sowohl auf dem Schlossturm als auch auf dem Untertor gespielt. Das war allerdings zu viel Aufwand“, erinnert sich Gerhard Wagner, der seit 1960 in dem Ensemble Tuba bläst. Damals bestand der Musikzug seit zehn Jahren. 1950 hatte er seinen ersten offiziellen Auftritt am Totensonntag in der Marienkirche, den zweiten dann zum ersten Turmblasen an Silvester. Seitdem sind die beiden Termine fest verankert im Auftrittskalender der Musiker.

Die Auftritte des Orchesters haben sich im Laufe der Jahrzehnte auf das ganze Jahr verteilt und reichen vom Feuerwehrball am ersten Januar-Wochenende bis eben zum Turmblasen zu Silvester. Es spielt bei Büdinger Festen, präsentiert eigene Konzerte mit einem breit gefächerten Repertoire und führt den Großen Zapfenstreich im äußeren Schlosshof zum Schützenfest auf. Zu den Höhepunkten gehören sicher die Gastspiele bei Peter Maffays „Tabaluga“ in der Frankfurter Festhalle in den Jahren 2003 und 2004.

Aber wie kam es eigentlich zum ersten Turmblasen vor 66 Jahren? Gerhard Wagner kennt den Hintergrund. „Im Herbst 1950 erledigten wir mit unserer Firma Schreinerarbeiten im Schloss und kamen mit dem damaligen Fürst Otto Friedrich zu Ysenburg und Büdingen ins Gespräch. Er suchte etwas Besonderes, ganz Eigenes für Büdingen.“ Sein Bruder Helmut Wagner, von der Gründung des Orchesters bis kurz vor seinem Tod im Februar 2014 im Musikzug aktiv, habe daraufhin vorgeschlagen: „Wir könnnten doch auf dem Turm das alte Jahr abblasen und das neue Jahr begrüßen.“ Der Fürst sei sofort begeistert gewesen: „Da machen wir was draus.“ Und so erklangen am 31. Dezember 1950 zum ersten Mal Weihnachtslieder vom Bergfried – und hinterher schenkte der Fürst Schnaps zum Aufwärmen aus. Und noch immer gibt es jedes Mal einen kleinen Umtrunk vom fürstlichen Haus, „zu dem die Verbindungen bis heute sehr gut sind“, bekräftigen Gerhard Wagner und Holger Kuhl, Abteilungsleiter Musikzug der Büdinger Feuerwehr.

Kuhl ist der fürstlichen Familie für die alljährliche Gastfreundschaft sehr dankbar und freut sich, dass der Musikzug nach Ende der Bauarbeiten nächstes Jahr wieder auf dem Turm spielen darf. Geblieben ist seit 1950 auch der Beginn des Konzerts mit „Alle Jahre wieder“ und der Schluss mit „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Gespielt werden Choräle wie „Tochter Zion“, „O du fröhliche“ und „O Tannenbaum“. Seit etlichen Jahren zählt auch der amerikanische Ohrwurm „White Christmas“ zum Repertoire.

Und wer darf mit auf den Turm? „Wer an Silvester da ist, geht mit hoch“, sagt Holger Kuhl, „denn es ist großartig, von da oben zu spielen“. Vor allem für Nachwuchsmusiker sei es etwas ganz Besonderes, das erste Mal auf dem Turm zu spielen und den Blick über die Stadt zu genießen. Zudem sei es für die Jungmusiker nach wie vor so etwas wie die endgültige Besiegelung der Aufnahme ins Orchester. „Erst das Turmblasen und dann der Auftritt beim Feuerwehrball“, erklärt Kuhl.

Sprichwörtlich „alle Wetter“ hatten die Musiker schon auf dem Turm: von traumhaften Schneelandschaften bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel bis zu einem wolkenverhangenen und nebligen Büdingen, von klirrender Kälte bis zu milden Temperaturen von 15 Grad. Zwar haben tiefe Minustemperaturen die Musiker noch nicht davon abgehalten, in luftiger Höhe zu spielen. Doch bei klirrender Kälte sind es stets nur zwei, drei Lieder, die sie spielen, weil die Ventile der Instrumente durch die feuchte Atemluft zufrieren. „Wenn die Instrumente eingefroren waren, haben wir halt gesungen“, berichtet Gerhard Wagner schmunzelnd. Nur bei Regen geht gar nichts auf dem Turm. Bei dieser Wetterlage ist das Orchester auf den überdachten Durchgang zwischen äußerem und innerem Schlosshof ausgewichen. „Das ist dann zu gefährlich. Die Polster an den Klappen der Holzblasinstrumente würden aufweichen und die Instrumente müssten kostspielig repariert werden“, erklärt Kuhl und fügt hinzu: „Aber wir hatten fast immer Glück mit dem Wetter.“

Selbst die Drehleiter der Feuerwehr kam beim Turmblasen schon zum Einsatz. Als es für ältere Musiker zu beschwerlich war, die 126 Stufen hinauf zu kraxeln, kam ihnen die Idee. „Wir mussten ohnehin mal ausprobieren, ob wir mit der Leiter bis da hochkommen“, erinnert sich Wagner. Also ab mit der Drehleiter in den Schlosshof, die älteren Musiker zu zweit in den Korb – und los ging die Fahrt hinauf auf den Turm.

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